„Brüder“ von Jackie Thomae

Ich war fast dreißig Jahre alt, und es sah so aus, als würde ich die Frage, woher ich kam, niemals loswerden.

„Brüder“ von Jackie Thomae, S. 245

Inhalt

„Brüder“ erzählt die Geschichten von Mick, Delia, Gabriel, Fleur, Idris und ein bisschen Desmond, Albert, Gabriele und Monika erzählt. Mick und Gabriel sind Halbbrüder mit vielen Gemeinsamkeiten: Zum einen ist da der gemeinsame Vater Idris, der in ihrer beider Leben nur als Erzeuger fungiert und sie daraufhin mit ihren Müttern Monika und Gabriele in der DDR zurücklässt. Diese sind beide auch auf ihre Weise abwesend im Leben ihrer Söhne. Auch später im Leben verbindet die Halbbrüder, die nichts voneinander wissen, dass sie sich in Partnerschaften wiederfinden, die vor allem anderen von Entfremdung geprägt sind. Als beide endlich nach vierzig Jahren von ihrem Vater in einem Moment der Reflexion kontaktiert werden, reagieren sie darauf jedoch grundlegend verschieden.

Rezension

Jackie Thomaes zweiter Roman erzählt die Geschichten seiner Charaktere textchronologisch. Darauf muss man sich auch einstellen, sonst nimmt man es der Erzählung sehr übel, wenn plötzlich die Figuren, in die man über die erste Hälfte des Romans hinweg investiert hat, von bis dato Unbekannten abgelöst werden. Obwohl wir der ersten Hälfte des Romans mit Spannung gefolgt sind, haben wir uns mit Thomaes Erzählweise in den Längen des Romans schwergetan. Gabriel und Fleur schildern abwechselnd ihre eigene Sicht auf dieselben Ereignisse, werden aber als Persönlichkeiten deutlich genug umrissen, dass ihre Ansichten bisweilen zu vorhersehbar werden und das Lesen mühselig wird. Trotzdem ist „Brüder“ im deutschen Kontext wichtig, weil es unterrepräsentierte Perspektiven anbietet und Formen von Alltagsrassismus, dessen Existenz in der öffentlichen Debatte regelmäßig geleugnet wird, thematisiert, aber nicht ausschließlich problematisiert. Unter anderem deswegen würden wir es wieder in den Druck geben.

Shownotes

00:35 | Begrüßung 

01:09 | Getting to know you: Wo liest du am liebsten? 

04:35 | Vokabular Disclaimer 

06:27 | Inhalt Kurz-Synopsis 

08:10 | Beschreibe dein Verhältnis zu dem Buch in einem Gericht! 

10:30 | Ein fragmentarischer Roman? 

14:40 | Identität 

18:47 | Parallelstruktur 

20:43 | Intention, DDR 

23:50 | Erzählweise 

26:10 | Albert, Vater-Sohn-Dynamik, Homosexualität 

29:30 | Adressat, Hautfarbe 

41:45 | Beziehungen

43:00 | Erzählweise 

45:58 | Buchpreis, Vergleich zu “Vater unser” von Angela Lehner 

50:50 | Würdest du das Buch wieder in den Druck  geben? (52:54 Gestaltung)

Wir freuen uns über eure Kommentare und über die Diskussion rund um „Brüder“.

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